[ Stand: 04 September 2019 - 11:45 Uhr ]

In der Bundesrepublik Deutschland leben etwa 250.000 Kinder in Familien, von denen sich wenigstens ein Elternteil aufgrund einer psychischen Erkrankung in Behandlung bzw. psychotherapeutischer Betreuung befindet (Prof. Dr. Albert Lenz, Kath. Hochschule NRW).

Bild zeigt Geschwisterpäarchen
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Im Rhein-Erft-Kreis kann man demzufolge - zumindest rein rechnerisch - von mindestens 1.400 Kindern ausgehen, die mit psychisch- oder suchtkranken Müttern bzw. Vätern aufwachsen und weitestgehend auf sich alleine gestellt sind.

Nicht selten übernehmen solche Kinder in hohem Maße Verantwortung für ein funktionierendes Elternhaus, um den Anschein einer intakten Familie zu wahren. Eigene Entfaltungsmöglichkeiten bleiben dabei oftmals auf der Strecke. Aus Angst und Scham werden soziale Kontakte zu Gleichaltrigen i.d.R.gemieden, was einen zumeist vollständigen Rückzug von der "Außenwelt" zur Folge hat. Ohne fachliche Hilfe tragen diese "starken Kinder im Schatten" ein erhöhtes Risiko, selbst Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln oder suchtkrank zu werden.

Um diesem Prozess langfristig entgegenzuwirken, hat sich das Gesundheitsamt des Rhein-Erft-Kreises der Thematik angenommen und erstmalig für den 06.04.2011 zu einer Fachtagung in das Kreishaus Bergheim eingeladen. Die anwesenden Vertreter von Gesundheits- und Jugendhilfeeinrichtungen sollten sowohl einen Einblick in die Lebenswelt betroffener Kinder erhalten als auch die Gelegenheit zum fachlichen Austausch ergreifen.

Resultat der Veranstaltung war eine Vereinbarung der beteiligten Institutionen mit dem Ziel, Fachkräfte unterschiedlicher Wirkungsfelder und Professionen besser miteinander bekannt zu machen und langfristig ein abgestimmtes und wirkungsvolles Hilfsangebot für die betroffenen Kinder zu entwickeln. Das Netzwerk hat sich den treffenden Namen "Starke Kinder im Schatten" gegeben und verabredet sich etwa ein bis zwei Mal pro Jahr.